Vorbemerkung: im Gegensatz zu meinem Hausbau-Fahrplan beginnt diese neue Beitragsreihe nicht mit einem Überblick und arbeitet dann sukzessive und linear eine Marschroute ab. Sie baut also nicht stetig auf, sondern behandelt (in loser Folge) ein Thema, das mir in meinen Forensprechstunden stetig wiederholt begegnet. Der Offensive Relaunch26 folgend werden dabei alle Folgen laufend frisch gehalten, d.h. ibs. um Hinweise auf zwischenzeitlich veröffentlichte neue Folgen ergänzt.
Und Achtung: diese Folge schließt mit einer lediglich unspezifischen Kaufempfehlung!
Die Einfachheit mit dem bösen Wörtchen „eigentlich“ davor
Ach, was nützt es IHNEN, wenn ICH ein Eigenheim auch noch ohne Computer planen kann (ätschibätschi, Gnade der frühen Geburt!). Eigentlich geht Laufen ganz einfach, man braucht nur einen Fuss vor den anderen zu setzen – die Enkelin meiner Herzdame probiert es bereits erfolgreich. Trotzdem: einem Rollstuhlfahrer „nun lauf´ doch!“ zuzurufen, bringt ihn nicht weiter. Und offensichtlich sind spätere Schulentlassjahrgänge – das Gros der aktuellen Bauherrengeneration ist bei meinem Schulabgang gerade mal dem Kreißsaal entfleucht – im Hinblick auf ihr räumliches Vorstellungsvermögen schwächer entwickelt. Mag ich auch noch so unermüdlich in das Horn stossen, dass man sich damit keinen Gefallen tut: sie brauchen einfach eine Computermaus als Rollator, um eine Hausplanung dahinzukritzeln.
Andere Hilfe naht später
Ich werde Sie in späteren Beiträgen noch an die Hand nehmen, sich doch einmal mit den Techniken der guten alten analogen Hausplanung vertraut zu machen – es lohnt sich, versprochen!
Nun wollen wir aber erst einmal damit umgehen, dass moderne erstgebärende Bauherren von der Muse der Analogkompetenz kaum geküsst oder zumindest zu früh abgestillt wurden. Die Folge ist, dass es ihnen (= Ihnen) nun schwer fällt, die vertikalen 2D-Planungsebenen „Ansichten“ und „Schnitte“ im Kopf aus den horizontalen Ebenen „Grundrisse“ bzw. „Lagepläne“ zu destillieren oder gar miteinander zu einem 3D Gesamtbild zusammenzufügen.
Die falschen Fragen werden am meisten gestellt
Wenn in Foren gefragt wird, welche Planungssoftware besonders empfehlenswert sei, dann werden regelmässig Aspekte in den Vordergrund gestellt, die zwar auch ganz nett sein mögen – nur leider in der praktischen Anwendung von eher nachrangiger Bedeutung. Besonders gerne geht es da um die Ausstattung – vor allem, wie umfangreich und modisch aktuell die „Bibliothek“ der von der Software fotorealistisch darstellbaren Materialien und ihrer Oberflächen ist. In zweiter Linie wird dann noch daran gedacht, die individuelle Computerbedienerkompetenz der Anwender zu berücksichtigen. Natürlich macht sich auch bemerkbar, wie geübt man dafür sein muss, mit dem Werkzeug (das in diesem Falle meiner Ansicht nach mit „Spielzeug“ sogar noch nett bezeichnet wäre) umgehen zu können. Denn was nützt es, wenn man in der Zeit des sich Einfuchsens in eine Planungssoftware ebensogut auch „richtig“ Architektur bzw. Bauingenieurwesen hätte studieren können. All´ das ist wohl wahr, blickt aber dennoch in eine ungeeignete Richtung.
Braucht man wirklich nur die Software?
Der Aspekt von entscheidender Bedeutung ist zuvorderst ein ganz anderer, nämlich: kommt man mit der Planungssoftware wirklich schon alleine weiter, bzw. führt sie zu einem Punkt, an dem man dank ihr schon einen Meilenstein im Haben verbuchen kann?
Hat man als Laie einen Plan erstellt, dann will man sich an ihm ja nicht nur im Stillen erfreuen. Mindestens will man ihn mit Anderen diskutieren können. Und oftmals soll er sogar in weitere Prozeßschritte überführt werden können, und genau an dieser Stelle hakt es oft erheblichst.
Worum es beim Austausch geht
Freunden und Bekannten (einschliesslich derjenigen in Form einer Forencommunity) seine Ideen zu präsentieren, funktioniert auch mit Hilfe von Screenshots – also in Form von Bildern. Sein Werk in Grafikformaten zu exportieren, beherrschen die diversen Softwarelösungen eigentlich alle. Und für diese Form des Sharings ist letztlich gleich gut geeignet, welches Format für Vektorgrafik oder gar Bitmap man dabei wählt. JPG, PNG, GIF, TIF und Konsorten – sie nehmen sich da alle wenig. Weniger geeignet sind PDF, insofern sie von vieler Forensoftware nicht direkt dargestellt werden können und die hilfsbereiten MitdiskutantInnen dann dazu nötigen würden, sie herunterzuladen und danach erst gespeichert mit einem Offline Reader zu betrachten. Das belastet dann zumindest das Zeitbudget der MitdiskutantInnen wegen des umständlicheren Weges, und oft auch deren Online-Übertragungsvolumen.
Der dicke Pferdefuss
Es geht jedoch noch schlimmer: dem Trend zu Software as a Service folgend, gibt es viele der „kostenlosen“ Klickibunti-Zauberprogramme nur als reine Online-Planer, d.h. man kann sie nur als ebsche App benutzen, aber weder die Software selbst noch die darin erzeugten Pläne vernünftig in die Welt des zumindest digitalen physischen Habens überführen. Manchmal kann man zumindest per „Teilen“-Link andere Personen als Betrachter in seine Pläne einladen. Oftmals ist sogar diese Möglichkeit von „winzig“ zu „erbärmlich“ reduziert, indem sie sich auf andere registrierte Anwender der betreffenden App beschränkt. D.h. die derart eingeladenen sollen sich dafür erst als Nutzer registrieren, mindestens Daten von sich preisgeben und nicht selten sogar die App abonnieren, die im Worst Case nach einer mehr oder weniger kurzen Dauer des Zugriffs sogar in einen regelmäßig kostenpflichtigen Zugang umgewandelt wird.
Ausser Spesen nichts gewesen
Wer einen solchen Weg gewählt hat, hätte die in sein Werk investierte Zeit dann oft ebenso gut auch gleich wegwerfen können. Das Sharing der Kreationen beschränkt sich dann in der Praxis häufig darauf, Screenshots von der Nutzung der App zu versenden. Jeder der Screenshots ist dann für sich betrachtet wieder nur 2D, also nicht interaktiv betrachtbar. Und für einen Überblick muss man dann gleich ein ganzes Album voller Screenshots anfertigen. Das macht solche Werke also nicht wirklich für eine fruchtbare Diskussion geeignet.
Eignung für eine ernsthafte Weiterverarbeitung
Will man gar mit einem Architekten (oder auch nur „Architekten“) seine Ideen teilen, dann kommt es auf weitergehende Exportmöglichkeiten an. Das bedeutet: das Programm sollte die Früchte der Arbeit zunächst einmal überhaupt als speicherbare Datei (und nicht nur als Datenbank-Link) ausgeben können, die von jedem beliebigen Inhaber einer Lizenz dieser Software wieder importiert werden kann. Hilfsweise – und oftmals sogar noch besser – ist eine Ausgabe in ein von mehreren ähnlichen Programmen lesbares Format, das anderswo direkt gelesen oder kompiliert/importiert werden kann. So erzeugen durchaus auch einige Anwendungen der Freeware / Shareware Klasse Exportformate, die in höherwertiger (und höherpreisiger) semiprofessioneller oder gar professioneller CAD-Software weiter bearbeitet werden können. Da dies nicht immer in beide Richtungen gleich tief vorgesehen ist, benutzen viele Architekten für den Austausch mit ihren Kunden auch selber solche Software, die bei den Kunden einen hohen Verbreitungsgrad hat.
Und welche sollen wir nun nehmen?
Zumindest eine halbe Kaufempfehlung haben Sie damit schon bekommen. Ich verspreche nicht, dass es schon in der nächsten Folge auf eine konkrete Kaufempfehlung zulaufen wird. Und schon garnicht in der nächsten Woche, denn nun stehen erst einmal die Überarbeitungen meiner bestehenden Beiträge dieses Kanals an. Aber im vorherigen Absatz habe ich zwei wesentliche Kriterien einer für diesen Zweck (also die Diskussion mit Fachleuten, die an Ihren Plänen weiter arbeiten sollen) geeigneten Software schon genannt. Nämlich zuvorderst, es sollte eine klassische Offline-Software sein, die einmal für eine zeitlich unbegrenzte Nutzung erworben und auf einem Speichermedium abgelegt werden kann. Und zweitens: Popularität geht über Professionalität oder gar Gegenwertkriterien wie beispielsweise die am Anfang genannte umfangreiche und modisch aktuelle Bibliothek an Möbel-, Sanitärobjekte- und Materialienvorlagen.
