Wenn Musterhäuser “lügen”

Musterhaus Bad

Bild: Rainer Sturm / Pixelio

Wir alle kennen sogenannte Musterhäuser und die meisten dürften schon mal eines besichtigt haben. Aber wie repräsentativ ist das, was man dort zu sehen bekommt?

Wenn man beim Herrenausstatter einen Anzug anprobiert, kann es sein, dass man den nicht gleich mitnehmen kann, weil er erst noch angepasst werden muss. Das Gleiche gilt für ein Haus, dass man auch in einer anderen Größe, in einem anderen Schnitt oder auch in anderen Farben bekommt.

Aber was würden Sie sagen, wenn der Verkäufer Ihnen eröffnete: „Nein, diesen Anzug haben wir gar nicht im Sortiment. Ich wollte Ihnen nur zeigen, wie Anzüge aussehen können. Was wir dahaben, ist aber selbstverständlich genauso schön.“? Sie wären mit Sicherheit erstaunt, wenn nicht gar verärgert. Genau so kann es Ihnen mit einem Musterhaus gehen, und das ist gar nicht so selten. Doch warum ist das so?

Aus dem Programm genommen

Moden gibt es nicht nur bei Anzügen. So wie Schulterpolster oder Zweireiher nicht mehr gefragt sind, ergeht es auch Wintergärten und rostroten Erkern. Auch beliebte Details fallen plötzlich in Ungnade, wenn ihre Herstellung dank neuer Bauvorschriften deutlich teurer wird. Dann wird ein Modell nicht immer angepasst.

Das Geschäft aufgegeben

Standplätze von Musterhausausstellungen mehrerer Anbieter sind keine Grundstücke, sondern dem Wesen nach eher Messestände. Gibt nun ein Hausanbieter sein Geschäft im Ganzen oder zumindest seine Repräsentanz an diesem Standort auf, werden die entsprechenden Musterhäuser oft nicht abgerissen, sondern vom Betreiber des Messegeländes an einen anderen Anbieter verpachtet.

Dieser lässt das bisherige Musterhaus stehen, weil er einiges in gleicher oder ähnlicher Form anbietet, z. B. die vorhandenen Fliesen oder Treppen. Was der Besucher nicht erfährt: Für das tatsächliche Angebot des Anbieters ist das, was der Besucher sieht, nicht repräsentativ. Die freistehende Badewanne beispielsweise, wie im Titelbild dieses Beitrags, hat der neue Pächter des Musterhauses nicht im Programm.

Wo “lügt” das Musterhaus nicht?

Wer sicherer gehen will, dass er auch bekommt, was „draufsteht“, sollte Musterhäuser am Standort eines einzelnen Anbieters aufsuchen. In diesen Musterhauszentren gibt es nur etwa eine Handvoll Hausmodelle, die aber dem tatsächlichen Angebot eher entsprechen. Oft befinden sie sich in der Nähe der Werkshallen oder eines sogenannten Bemusterungszentrums, wo man die Ausstattungsdetails des beauftragten Hauses festlegt. Nicht selten ergibt sich dort auch die Gelegenheit, an einer Führung durch die Produktion teilzunehmen.

In diesem Fall muss man natürlich darauf verzichten, auf einen Schlag gleich mehrere Anbieter vergleichen zu können. Und auch hier besteht das Risiko, dass es sich nicht bei allen Objekten um das aktuellste Modell handelt, denn die Anbieter reißen nur selten ab oder bauen nicht um, wenn sich die Modellpalette verändert. Aber immerhin hat man in solchen Musterhauszentren eines einzigen Herstellers die Gewissheit, dass sich der Anbieter nicht mit fremden Federn schmückt.

Gehen Sie nicht achtlos vorbei

Egal in welcher der beiden Formen von Musterhauszentren Sie unterwegs sind, Sie werden niemals alle Möglichkeiten auf einmal sehen. Lassen Sie also Modelle, die nicht exakt Ihrem Wunsch entsprechen, nicht links liegen, sondern gehen Sie auch dort hinein – die meisten Anbieter haben ein breit gefächertes Programm. Die Fachberaterinnen und Fachberater können Ihnen sagen, an welchen Orten sie weitere Modelle des gleichen Anbieters besuchen können. Die nächste Ausstellung ist selten mehr als zwei Fahrtstunden entfernt. Tun Sie sich aber keinen Marathon oder Fünfkampf an!

Zeit und Ruhe sind sehr bedeutend

Musterhausbesuche sind wie andere Messebesuche auch mit einer hohen Dosis an neuen Eindrücken verbunden, die erst einmal sortiert und verarbeitet sein wollen. Besichtigen Sie jedes Haus unbedingt als Paar und teilen Sie sich nicht auf! Das macht die Entscheidung später leichter.

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